Deutsch  |  English
NEWS

"Ask Wine&Partners.
They know how to do it"

Peter-Jordan-Straße 6/3
1190 Wien

+43 1 369 79 900
office@wine-partners.at
  | Suche

Am Nil wird jetzt sanft geschnitten

Alzheimer-Prävention für Reben

07.02.2018

Sorry, this entry is only available in German.

Weingut am Nil Weinberg Sonne @ Photographie Melhubach
Der Rebschnitt ist der Beginn des Weinjahres und eine der wichtigsten Stellschrauben für die Weinqualität © Photographie Melhubach

Für die nächste Generation

Das Prinzip des “Sanften Rebschnittes” wurde im Friaul entwickelt, wo in den 1980er Jahren enorme krankheitsbedingte Ausfälle in den Rebanlagen festgestellt wurden. Marco Simonit und Pierpaolo Surch erarbeiteten die Methode „Preparatori d’uva“, was übersetzt Traubenvorbereitung heißt.
Während herkömmliche Schnittmethoden darauf abzielen, dass der Rebstock eine Form erhält, die maschinell gut zu bearbeiten ist, wird beim Sanften Schnitt vor allem darauf geachtet, dass der Saftfluss in der Rebe möglichst vital stattfinden kann. Vorbild dafür ist der Rebschnitt, den man früher bei Buschreben verwendete. Simonit und Surch haben eine Adaptierung dieses sehr sanften Eingreifens auf drahtrahmenunterstützte Anlagen entwickelt.

Betriebsleiter Johannes Häge experimentierte auf ausgewählten Parzellen schon seit einigen Jahren mit dieser Schnitt- und Reberziehungsmethode, die den Weinbergen mehr Vitalität und eine längere Lebensdauer verspricht.

In Deutschland fand er keine Informationen, also arbeitete Häge mithilfe eines Buches der Friulaner Entwickler in italienischer Sprache. Das Buch enthielt glücklicherweise viele Bilder, denn Häge spricht kein Wort Italienisch. Zuerst testete er die Methode vorsichtig in wenigen Weinbergen aus, studierte die Auswirkungen auf junge und auf alte Reben bis ins Detail. Erst als er restlos überzeugt war, dass sich die Vitalität der Anlagen durch den schonenden Anschnitt verbessert, weitete er den Versuch weiter aus. In diesem Jahr werden erstmals die Reben aller Parzellen (26 Hektar) nach der sanften Rebschnitt-Methode erzogen.

Ob Häge von diesen Anstrengungen selbst noch profitieren wird, ist fraglich. “Die nächste Generation soll das große Potential, das Terroir unserer Lagen noch besser ausschöpfen können”, begründet er den gewagten Schritt. Besonders alte Reben können durch die tiefe Verwurzelung die Besonderheit der Böden im Wein schmeckbar machen. Für Johannes Häge ist die Umstellung auf sanften Rebschnitt daher ein wichtiger Baustein im Qualitätsstreben, und das gilt nicht nur für die Prestigelagen “Kallstadter Saumagen” und “Ungsteiner Herrenberg”. Der sanfte Rebschnitt und der sorgsame Umgang mit seinen Weinbergen ist auch sein Beitrag zum Nachhaltigkeitsdiskurs.

Weingut am Nil Kellermeister Johannes Häge in der Kleinen Vinothek 2016 © Marius Krutschke
Konsequent bis ins kleinste Detail: Bei Qualität kennt Betriebsleiter Johannes Häge keine Kompromisse. © Marius Krutschke

Die Methode

Die Rebschnitttechnik wurde in den 1980er von Marco Simonit und Pierpaolo Surch im italienischen Friaul entwickelt. Dort heißt sie „Preparatori d’uva“, was übersetzt Traubenvorbereitung bedeutet. Im deutschen Sprachraum trägt die Methode aber den viel schöner klingenden Namen „sanfter Rebschnitt“. Behutsam ist die Schnittweise deshalb, da man nur in ein-, maximal zweijähriges Holz schneidet und die Pflanze dabei mit dem Rebschnitt so wenig wie möglich verletzt.

Die Alternative zum klassischen Bock- oder Kopfschnitt soll damit typischen Holzkrankheiten wie Esca oder Eutypiose vorbeugen und den Rebanlagen eine lange Lebensdauer garantieren. Durch die Reduktion der Anschnittflächen wird nämlich ein Austrocknen der Saftbahnen und des Holzes verhindert, sowie die Gefahr des Eindringens von Pilzen verringert. Der sanfte Rebschnitt wird in Deutschland bisher nur vereinzelt durchgeführt, wodurch die genauen Auswirkungen auf Ertrag und Qualität noch gar nicht untersucht wurden. Unstrittig ist, dass gerade Weine aus älteren Rebbeständen von einer besonderen Mineralik geprägt sind.

Weingut am Nil Weinberg Rebschnitt @ Photographie Melhubach
Die Weinberge des Weinguts am Nil sollen mit der schonenden Bearbeitung durch den sanften Rebschnitt möglichst lange gesund bleiben © Andreas Durst

Über das Weingut am Nil

Das Weingut am Nil, das unter diesem Namen noch recht jung ist, liegt in Kallstadt, etwa eine Stunde südlich von Frankfurt. Erst 2010 wurde das historische Ensemble von Ana und Reinfried Pohl übernommen und seither liebevoll renoviert. Damit steigt die zweite Generation der Familie Pohl in den Weinbau ein: Schon Ende der 1990er Jahre gründete die Familie das Weingut „Herdade dos Grous“ in der portugiesischen Region Alentejo.

Die Wurzeln des Weinguts am Nil (ehemals Weingut Schuster) reichen weit zurück. Es wurde bereits 1840 gegründet, und schon damals wurde der Kallstadter Löwe, der seit dem 15. Jahrhundert das Wappen der Stadt ziert, zum Symbol erkoren. Im Zuge des Relaunch erhielt das Weingut einen neuen Namen, der Löwe aber blieb. Wenn auch in alternativer Farbgebung.

Der Name „Nil“ ist auf die historische Einzellage Nil zurückzuführen, die heute Teil des Kallstadter Saumagens ist. Der Saumagen selbst ist eine der renommiertesten Lagen der Pfalz. Das Weingut am Nil erstreckt sich über rund 4 Hektar im Kallstadter Saumagen. Daneben zählen auch die Lagen Ungsteiner Herrenberg (1,2 Hektar) und Ungsteiner Weilberg (0,8 Hektar) zu den Toplagen des Weinguts. Weitere 20 Hektar liegen in ebenso traditionsreichen Lagen in und um Kallstadt.

DOCUMENTS (downloadable)
PICTURES (downloadable)
Mehr entdecken

Der Nil in Rot

Cuvée Púrpura

Sorry, this entry is only available in German.

Learn more

12.12.2017

Löwe für einen Tag

Christian Rach am Weingut am Nil

Sorry, this entry is only available in German.

Learn more

16.11.2017

Kein Nil ist wie der andere

Der neue Jahrgang aus der Pfalz

Sorry, this entry is only available in German.

Learn more

30.10.2017