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Der Siegeszug der Rotweine aus Carnuntum

Herkunft vor Sorte

24.11.2020

Sorry, this entry is only available in German.

Blaufränkisch Dorli Muhr © Herbert Lehmann
Carnuntums Winzer sehen eine rote Zukunft. © Herbert Lehmann

Niederösterreichs rote Ecke

Carnuntum ist das einzige Weinbaugebiet in Niederösterreich, das mehrheitlich Rotwein produziert, es hat mit 26% den höchsten Zweigelt- und mit knapp 10% den höchsten Blaufränkisch-Anteil.

Zweigelt und Carnuntum – das ist eine ideale Beziehung, in der jeder Partner die Vorzüge des anderen zum Strahlen bringt. Für die sensible Beerenhaut des Zweigelt ist die Korridorstellung von Carnuntum zwischen den Alpen und den Karpaten ein Geschenk. Denn die starken Luftströmungen trocknen Regen oder Nebel in Windeseile ab, sodass es kaum zu Infektionen kommt. Die Wurzeln des Zweigelt aber, die wünschen sich Feuchtigkeit während der Vegetationszeit. Und das garantieren die lehmigen Böden im Arbesthaler Hügelland. Dass sich der Zweigelt in Carnuntum besonders wohl fühlt, das erkannten die Winzer schon früh. Im Jahr 1992 gründeten sie den Verein der Rubin Carnuntum Weingüter und kreierten eine der erfolgreichsten Gebietsmarken Österreichs – auf Basis von Zweigelt: Rubin Carnuntum.

Man wollte aber nicht nur einen kommerziell erfolgreichen, charmanten und trinkfreudigen Wein machen, sondern das Potential der Sorte ausreizen. Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet, die herausfand, in welchen Lagen, auf welchen Böden, in welchem Rebalter, unter welchen Vinifizierungsmethoden, bei welchem Ausbau, der Zweigelt zu ungeahnter Größe wuchs.

ÖTW Erste Lagen Kirchweingarten © Rubin Carnuntum Weingüter/ Robert Herbst
Die Erste Lage Kirchweingarten in Höflein (im Westen der Weinbauregion) zeichnet sich durch schluffrig-tonige Böden mit etwas Lössablagerungen aus, wo sich Zweigelt und Blaufränkisch gleichermaßen wohlfühlen. © Robert Herbst
ÖTW Erste Lagen Spitzerberg © Rubin Carnuntum Weingüter/ Robert Herbst
Der "sandige" Spitzerberg (1ÖTW) bei Prellenkirchen, ganz im Osten der Weinbauregion. Sein Terroir bringt hochprämierte Blaufränkisch hervor. © Robert Herbst

Parallel dazu wurde mit dem österreichischen Geologie-Institut eine großangelegt Bodenstudie durchgeführt. Bodentypen, Wasserleitfähigkeit, Wärmespeicherfähigkeit sowie eine Analyse der mineralischen Komponenten wurden penibel erforscht. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse führten zu einem neuen Fokus bei den Winzern: Die Arbeit mit und in den Einzellagen. Seit dem Jahr 2018 sind neun Rieden aus Carnuntum als “Erste Lagen” der Österreichischen Traditionsweingüter klassifiziert.

Zu den klassifizierten Lagen der Österreichischen Traditionsweingüter lesen Sie hier mehr dazu.

Der Blaufränkisch musste noch ein bisschen länger warten, bis er Aufmerksamkeit erhielt. Zwar wurde die Sorte schon seit mehr als hundert Jahren an den Abhängen der Karpaten (Hundsheimerberg, Spitzerberg) kultiviert. Applaus erhielt er aber erst ab den 2010ern, als internationale Experten wieder Rotweine mit Säurebogen präferierten. Sehr karge kalkige Böden, extreme Windexposition und fordernde Trockenheit führen zu kleinen Erträgen mit großer Konzentration und einer ganz eigenen Stilistik.

In den letzten Jahren haben sich die Betriebe rebstrukturiert, neu positioniert und die Weichen für die Zukunft gestellt. So liegt der Fokus nun deutlich auf Rotwein. Die Vielfalt der Region ermöglicht es, Rotweine, ob reinsortig oder cuvéetiert, zu den besten Österreichs werden zu lassen.

Carnuntum Pyramide © Patrick Band
Auf drei Ebenen präsentiert sich Carnuntum - vom Gebietswein (Rubin Carnuntum), hin zu sechs Ortsweinen und den Riedenweinen, darunter auch "Erste Lagen". © Patrick Band

Districtus Austriae Controllatus – gut durchdacht!

Seit 2019 hat Carnuntum – nach vielen Jahren des Diskutierens und Ringens um die perfekte Lösung – seinen eigenen DAC Status. “Carnuntum” steht nun nur noch auf Etiketten von Weinen, die mehrheitlich aus den regionalen Sorten gemacht werden. Beim Rotwein sind es Zweigelt und Blaufränkisch, die zumindest zu zwei Drittel einen Carnuntum Wein dominieren. Internationale Sorten dürfen bis zu maximal einem Drittel darin vorkommen.

Die gleiche Regelung gilt auch für den weißen Carnuntum: zwei Drittel müssen aus Grünem Veltliner und/oder Burgundersorten gemacht werden.

Alle anderen Weine tragen ab sofort die nächst größere geografische Herkunft am Etikett: Niederösterreich.

Carnuntum Gebirgskarte © Dorli Muhr
Zwischen den Ausläufern der Alpen und dem Beginn der Kleinen Karpaten liegt das Weinbaugebiet Carnuntum. Das kontinentale Klima führt zu kernigen Rotweinen. © Dorli Muhr

Kontinentales Klima bei rund 330 Windtagen

Was diese Region so besonders macht, ist das kontinentale Klima. Während das Nordburgenland die moderierende Wirkung des Neusiedlersees spürt, ist Carnuntum durch das Leithagebirge von den feuchten Luftmassen abgetrennt. Die Brucker Pforte – die Öffnung zwischen Karpaten und Alpen wirkt wie ein Korridor, in dem ständig Wind herrscht. Entweder kommen atlantische Luftmassen aus dem Westen und strömen Richtung Südosten. Oder umgekehrt: Trockene Winde aus der südöstlichen pannonischen Tiefebene stürmen Richtung Donautal. Die ständige Windzirkulation, gepaart mit großen Temperaturunterschieden und hoher Sonnenstundenanzahl, macht Carnuntum zu einem genialen Rotweingebiet, das nicht nur mit Reife sondern auch mit Frische und Kernigkeit aufwarten kann.

Man spricht hier vor allem von einem großen Tag-Nacht-Gefälle. Denn die wirklich heißen, trockenen Sommertage erreichen oft Temperaturen von bis zu 40 °C. Abends kühlt es dann merklich ab, vor allem auch dank der nahen Donaauen und des Maria Ellender Waldes. Die bringt die gewisse Spannung in die Weine, die für Carnuntum so typisch ist, und eine Kernigkeit die Frische und Struktur vermittelt.

Terroir Carnuntum © Tom Lamm
Am Spitzerberg trifft man vor allem auf sandige Böden - von West nach Ost wird der Boden immer feinkörniger. © Tom Lamm

Geologisch betrachtet – ein Weinbaugebiet mit großen Unterschieden

Der Weinbau in Carnuntum wird vorwiegend in zwei Arealen durchgeführt. Im Arbesthaler Hügelland und an den Hundsheimer Bergen. Rund um Arbesthal, Göttlesbrunn und Höflein finden sich teils schottrige Böden vom Fluss der Urdonau, teils lehmige oder lösshaltige Böden, die eine gute Versorgung der Reben garantieren.

Im Osten, am Spitzerberg und am Hundsheimer Berg findet man Kalkböden und am Braunsberg Granitböden. Hier bindet der Boden nur wenig Wasser. Die extrem windexponierten Lagen bringen in Verbindung mit hohen Sommertemperaturen engmaschige Weine mit erfrischendem Säuregerüst.

Tina Netzl © Warda Netzwork
Langsame Handarbeit hilft den Weinen, ihr Terroir hervorzubringen. © Warda Network
Johannes Pitnauer © Warda Network
Die Mazeration ist ein besonders spannender Moment für die Winzer. © Warda Network

Weinstilistik “back to the roots”

Freilich liegt es schließlich auch am Winzer, ob er es schafft, möglichst wenig einzugreifen und dem Wein die Möglichkeit zu geben,  seine Herkunft auszudrücken. In Carnuntum hat sich die Stilistik der Vinifizierung in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Die Winzer arbeiten akribisch an der besonderen Herkunft, in Verkostungs- und Diskussionsrunden  werden Erfahrungen ausgetauscht.

Eine der wesentlichsten Veränderungen ist die Vergärung in kleineren Chargen. Ob man ganze Beeren mazeriert, sie anquetscht oder manchmal sogar ganze Trauben mit Stielgerüst verarbeitet, die Gärtemperaturen werden meist kühl gehalten, um die Vielschichtigkeit der Trauben herauszuarbeiten. Die Arbeit mit natürlichen Hefen verlangsamt den Prozess der Erwärmung. Durch die Rücknahme von Technologie und vermehrte Handarbeit im Keller ist eine sanftere Extraktion gewährleistet. Das händische Untertauchen des Maischekuchens unterstützt beispielsweise die Struktur und Länge des Weines. Auch beim Ausbau setzt man vermehrt auf größere, vor allem österreichische Holzfässer, die eine langsame Reifung und damit engmaschigere Weine garantieren.

Aktuelle Jahrgänge, die weltweit faszinieren

Grundsätzlich präsentieren sich die aktuellen Jahrgänge – wie etwa 2018 – sehr saftig und zugleich stoffig, aber keinesfalls opulent. 2018 ist in Carnuntum ein hervorragender Jahrgang mit sehr harmonischen Weinen, die Intensität und besondere Lagerfähigkeit mit sich bringen. 2017 hingegen zeigt sich mit etwas mehr Säure und wirkt somit etwas straffer.

 

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