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Montes’ erstes Ernte-Fazit aus Patagonien

Kann hier Wein wachsen?

12.10.2021

Sorry, this entry is only available in German.

Aurelio Montes in Chiloé

Aurelio Montes muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Er ist eine der wichtigsten Weinpersönlichkeiten und vor allem auch Pionier. Er ist bekannt dafür, immer einen Schritt über die Grenze des Möglichen zu gehen, weiterzudenken und sich in Gebiete vorzuwagen, in denen noch nie jemand zuvor Weinbau betrieben hat.

Diese Philosophie führte den leidenschaftlichen und wohlüberlegten Unternehmer 2018 auf das Insel-Archipel von Chiloé im Süden Chiles. Jahrelang ist er durch die kühlen Fjorde gesegelt und hat sich gefragt, ob es nicht möglich wäre, hier Wein anzubauen. Das besondere an diesen Inseln? Die Ruhe, die größtenteils unberührte Natur und die sehr fruchtbare Erde. Genau hier wollte Montes einen Weinberg anlegen und prüfte das anfängliche Bauchgefühl durch eine Reihe von Untersuchungen, bis er schließlich insgesamt zwei Hektar Reben verschiedener Sorten anpflanzte. (Mehr Infos zum Weinberg finden Sie hier).

Diesen Frühling, also drei Jahre später, war es endlich soweit: Aurelio Montes konnte das erste Mal auf Chiloé Trauben ernten und das Ergebnis hat selbst den erfahrenen Winzer überrascht.

Vor vier Jahren wurden die Rebstöcke bei Boot geliefert, heuer wird die Ernte am selben Weg abtransportiert. © Viña Montes
Vor drei Jahren wurden die Rebstöcke bei Boot geliefert, heuer wurde die Ernte am selben Weg abtransportiert. © Viña Montes

Vom idealen Platz

Bis man die Früchte solcher Projekte ernten kann, dauert es bekanntlich eine ganze Weile. Angefangen von der Grundstückswahl des zukünftigen Weinberges war es ein durchwegs bewusster, mehr schon wissenschaftlicher Prozess. An allererster Stelle stand für Montes dabei die Bodenbeschaffenheit. Die „Trumao“-Erde besteht aus abgelagerter Vulkanasche der Anden, die den Grund besonders fruchtbar und daher vielversprechend macht.

Danach folgte die Untersuchung von Klima und Sonnenstunden. Alles musste stimmig sein, denn Montes ist zwar waghalsig aber keinesfalls leichtsinnig. Und in diesem Grenzbereich entscheiden ein paar Sonnenstunden mehr oder weniger über Sieg oder Niederlage beim Versuch qualitativ hochwertige Trauben anzubauen.

Es scheint auf den ersten Blick nicht der beste Ort für Weinreben zu sein. Aber ich denke, dass hier die Möglichkeit besteht, etwas ganz Großartiges zu schaffen“, erzählt Aurelio Montes mit einem Leuchten in den Augen.

Auf Mechuque leben 300 Menschen. Weinbau gab es bis vor kurzem keinen. © Viña Montes

Zwar liegt das Insel-Archipel in denselben Breitengraden wie Tasmanien (Australien), die klimatischen Bedingungen auf Chiloé ähneln aber eher jenen in Norwegen. Patagonien war früher ausgesprochen kalt. Mit dem Klimawandel verändern sich auch hier die Bedingungen und die Sommer werden wärmer. Trotz des rauen Klimas fand Montes einen Platz mit Top-Bedingungen für seine Weinstöcke: Durch den Pazifik, dessen Wellen beinahe am Fuße des Weinberges brechen, wird das Kleinklima positiv beeinflusst. Die umliegenden Bäume schützen zusätzlich die wärmebedürftigen Reben vor eisigen Winden. Außerdem wurden Reflektoren angebracht, die die Temperatur stabilisieren. Frost gibt es dadurch so gut wie keinen mehr. Das begünstigt das Projekt maßgeblich. Mit einer Niederschlagsmenge von durchschnittlich 2,540 mm pro Jahr brauchen die Pflanzen außerdem keine zusätzliche Bewässerung.

Wer hier unüberlegt Traubensorten setzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine großen Erfolge feiern können. Denn das Terroir ist ungewöhnlich. Nach genauen Überlegungen, Analysen und verschiedenen Tests auf einer Versuchsfläche entschied sich Montes für die folgenden Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, deutscher Riesling vom Rheingebiet, Spätburgunder, Alvarinho aus Portugal, Pinot Grigio aus den Voralpen und Gewürztraminer aus dem Elsass haben erstklassige Voraussetzungen, um hier Außergewöhnliches zu vollbringen.

Wohingegen Reblaus und echter Mehltau auf der abgeschiedenen Insel keinerlei Probleme darstellen, so fühlt sich der “Schlechtwetterpilz” Peronospora bei einer Luftfeuchtigkeit von Ø 85% pro Jahr äußerst wohl. Und noch ein weiterer Punkt schien die Ernte zu gefährden: Die heimischen Bewohner des teils unberührten Inselgebiets wie Vögel und Biber haben sich auf Anhieb in die süßen Früchte verliebt und die diesjährige Ernte deutlich reduziert.

Juan hat mit Montes einen neuen Weg auf Mechuque eingeschlagen. © Viña Montes
Juan hat mit Montes einen neuen Weg auf Mechuque eingeschlagen. © Viña Montes

Vom richtigen Zeitpunkt

In Chile startet die Ernte ja normalerweise bereits im April. Auf Chiloé hingegen, wo es erheblich kühler ist, musste das Montes Team – dass auf Chiloé hauptsächlich aus den Bewohnern der Insel besteht – bis in den Spätherbst Ende Mai abwarten, um genügend Fruchtzucker in den Beeren zu erreichen, der die stark ausgeprägte Säure ausbalanciert. Um sich an das volle Potential der Region antasten zu können, erfolgte für die diesjährige Ernte eine Mikrovinifikation. In kleinen Gär- und Steuerungssystemen wurden die Trauben zu minimalen Mengen Wein verarbeitet.

Und das überraschende Ernte-Fazit? Die Reben gediehen auf den zwei Hektar Rebfläche viel besser als gedacht. Die Trauben waren aromatisch süß mit einer knackigen Säure und brachten frische und fruchtige Weine hervor. So einen großartigen Erfolg ließ selbst den erfahrenen Winzer staunend zurück. Er hatte damit gerechnet, dass nur einen Teil der Reben gut gedeihen, aber einzig der Pinot Grigio konnte sich mit dem kühlen Klima Patagoniens nicht anfreunden.

Sollte mal eine Prüfung mit Fragen zu Lateinamerikas südlichsten Weinbaugebiets kommen, ist man jetzt gewappnet. Wo Montes sonst überall noch Weinberge hat, kann man hier in dieser Karte nachlesen:

Weinberg-Karte

Aurelio Montes erfüllt sich mit Chiloé einen Traum, der über 20 Jahre an Kraft gewann. © Viña Montes
Aurelio Montes erfüllt sich mit Chiloé einen Traum, der über 20 Jahre an Kraft gewann. © Viña Montes

Weitere Gespräche über zukünftige Anbauflächen und Kooperationen mit ansässigen Bauern sind bereits in Gange. Aurelio Montes blickt zuversichtlich in die Zukunft: „2022 werden wir genug ernten, um einen ersten, richtigen Chiloé-Wein auf den Markt bringen zu können. Bis Ende 2022 werden wir das Ergebnis unseres Abenteuers zeigen können!“ Wer weiß, vielleicht wird uns ein Schaumwein aus dem südlichsten Teil Chiles und von ganz Südamerika erwarten? Die frische Aromatik würde ideal passen!

Wir wollen Weine für abenteuerlustige Genießer kreieren, die Außergewöhnliches fern der Norm erleben wollen. Etwas außerhalb aller Grenzen des traditionellen Weinmachens“, so Aurelio Montes über seine Herangehensweise.

Wer das Warten bis Ende nächsten Jahres nicht aushält, kann sich in der Zwischenzeit durch die Outer Limits-Linie von Viña Montes durchkosten. Denn das Weingut beschäftigt sich schon lange mit Weinbau außerhalb der Grenzen des Möglichen – daher auch der Name. Wo diese Weine für die Gastronomie erhältlich sind, finden Sie hier.

Montes Outer Limits Sauvignon Blanc
Kaum zu erwarten? Bis Ende 2022 ist genügend Zeit um sich durch die Montes Outer Limits-Serie durchzukosten! © Viña Montes