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Nach der Ernte 2019: Bio-Bauer Farthofer berichtet

Klimaerwärmung fordert die Landwirtschaft

06.12.2019

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Doris (links) und Josef Farthofer beschäftigen sich holistisch mit nachhaltiger Ressourcennutzung. © Martina Draper
Doris (links) und Josef Farthofer denken nachhaltig, natürlich auch was die Lösungen für die Herausforderungen im Klimawandel angeht. © Martina Draper

DIE BIRNE

Das Mostviertel in Niederösterreich bezieht seinen Namen vor allem vom vergorenen Saft der Mostbirne. Birnenbäume, die bis zu zweihundert Jahre alt sind, prägen das Landschaftsbild. Doch die Veränderung des Klimas setzt den Birnen zu. Wurden die Mostbirnen früher Ende September geerntet, so sind sie seit einigen Jahren schon in der zweiten Augusthälfte reif. „Vor allem die Dorschbirne mit ihrem hohen Saftanteil macht uns die Ernte in der prallen Hitze sehr schwer“, so Farthofer. Doch nicht nur die Früchte leiden, auch die Bäume selbst. Die Trockenheit der letzten Jahre führt dazu, dass viele Hochstammbäume absterben.

Um die Sortenvielfalt zu erhalten und alte Mostbirnsorten vor dem Aussterben zu bewahren, hat Farthofer gemeinsam mit anderen Mostproduzenten schon vor 15 Jahren den „Mostbirnengarten“ mit insgesamt 12.000 Birnbäumen angelegt, in dem alte Mostbirnsorten gepflegt werden.

In den letzten Jahren waren die Ernteeinbußen in diesem Birnengarten recht hoch, 2019 hingegen hat wieder einmal eine durchschnittliche Ernte gebracht. Anfang September wurde zunächst die Rote Pichlbirne geerntet, dann die Knoll- und schließlich die Speckbirne.

Farthofer Ernte 2019, Birnen 1 © Destillerie Farthofer
Das Obst wird bereits im Sommer reif. Problematisch wird es, wenn die Frucht beim Fall beschädigt wird und durch die Wärme verdirbt. © Destillerie Farthofer

Die Birnbäume werden angepasst

In diesem Mostbirngarten der Bauern will man alte regionale Sorten vor dem Aussterben bewahren. Das erfordert aber Anpassungen an die Klimaveränderungen. Früher fielen die Birnen später im Herbst vom Baum, als die Temperaturen bereits kühler und die Nächte richtig kalt waren. Bei den sommerlichen Temperaturen, die heute bei der Reife noch herrschen, ist die Gefahr des Verderbens der Frucht gegeben, wenn sie beim Fallen beschädigt wird.

Deswegen haben die Mostbauern nun die alten Sorten mit kürzerer Stammhöhe gezüchtet. Einerseits kann man die Birnen dann pflücken, bevor sie abfallen. Andererseits sind die Schäden durch die kürzere Fallhöhe bedeutend geringer.

Der Schnitt: Learning by doing

Der Ertrag im Mostbirngarten war in den vergangenen Jahren stets rückgängig. Die Mostbauern konnten sich nicht vorstellen, warum. Sie sprachen mit Obstbaufachleuten, suchten nach Erklärungen. Aber es gibt keine Forschung über die alten Birnensorten und daher auch keine Experten-Antworten auf ihre Fragen.

Erst nach und nach verstand man die Zusammenhänge: Der Grund für die kleineren Erträge lag in der geringen Bestäubung. Und diese war eine Folge der zu engen Bepflanzung.

Auf den jahrhundertealten Streuobstwiesen stehen die Birnbäume nämlich sehr vereinzelt – oft als Solitäre – auf einem Grundstück. Im Mostbirngarten hingegen wurden sie kompakt gepflanzt, um Vergleichswerte ziehen zu können. Durch das Wachstum im Laufe der Jahre kamen die Bäume einander zu nahe. Nun haben die Bauern jeden zweiten Baum wieder entfernt und führen darüber hinaus einen Schnitt im Winter und einen weiteren im Sommer durch. So können sich die Bäume wieder richtig entfalten, die Früchte bekommen mehr Sonnenlicht ab und wachsen auch schneller. Die Bäume tragen nun wieder regulären Ertrag.

Farthofer Ernte 2019, Birnen 2 © Destillerie Farthofer
Im Mostviertel gibt es eine Vielzahl an Birnenvariationen. Die Farthofers schwören auf alte Sorten. © Destillerie Farthofer

KIRSCHEN, WEICHSEL, KRIECHERL,…

Ein weiteres wichtiges Projekt hat Josef Farthofer gestartet, um den Ertrag der Obstbäume auch in Zukunft zu gewährleisten. Wesentliche Bedingung für die Fruchtbarkeit der Bäume ist nämlich die Bestäubung. Durch Monokultur und Einsatz von Insektiziden haben sich weltweit aber die Bestände der Wildbienen dramatisch dezimiert.

Farthofer hat in diesem Jahr zwei Wildbienenhotels eingerichtet, und zwischen den Obstbäumen wurden viele Blumen gesetzt, um für die Bienen während der gesamten Vegetationsphase ausreichend Angebot zu haben. Die Bestäubung der Kirschen, Weichsel, Kriecherl, Marillen, Zwetschken, Mostbirnen und Äpfel funktionierte großartig, aus den Blüten entstanden sehr viele Fruchtansätze, die schließlich eine reiche Ernte einbrachten.

Nach der Ernte wurden die Wildbienenhotels entfernt und die Kokons sorgfältig aus den Nützlingshotels herausgelöst. Die jungen Wildbienenkokons werden nun gewaschen und gezählt. Beeindruckend ist die Population der Roten und Gehörnten Mauerbiene. Farthofer vermutet, dass er in diesem Jahr insgesamt rund 1000 Wildbienen gezüchtet hat. Etwa die Hälfte davon werden im nächsten Jahr für fünf Nützlingshotels benötigt, die restlichen Wildbienen werden dem Verein „Wildbienengarten“ gespendet, der damit anderen Obstbauern Wildbienen zur Bestäubung zur Verfügung stellen kann.

DIE ZWETSCHKE

Die Zwetschkenernte ist nicht jedes Jahr gleich. 2018 waren die Bäume schwer von den hohen Erträgen, heuer mussten sie sich von der Beanspruchung des letzten Jahres erholen, deswegen war der Ertrag sehr gering. 2019 war also kein Zwetschkenjahr.

Farthofer Ernte 2019, Getreide © Destillerie Farthofer
Die Farthofers setzen auch beim Getreide auf alte Sorten. © Destillerie Farthofer
Farthofer Ernte 2019, Mähdrescher © Destillerie Farthofer
Denn die sind hitzebeständiger. © Destillerie Farthofer

DAS GETREIDE

Beim Getreide sind die Auswirkungen des Klimawandels vielleicht am stärksten zu spüren. Die extreme Trockenheit, die in den vergangenen Jahren herrschte, ist ein großes Problem. Beim Getreide sind Einbußen von 30% durchwegs normal, beim Sommergetreide kommt es in manchen Regionen sogar zu Totalausfällen.

Farthofer hat schon früh und aus unterschiedlichen Gründen auf sehr alte Getreidesorten gesetzt. Nun kann er beobachten, dass seine Entscheidung eine gute war. Denn diese alten Sorten sind resistenter gegen Schädlinge und halten die großen Hitzebelastungen besser aus. Um den Boden so schonend wie nur möglich zu bearbeiten und die Bodenfeuchte möglichst nicht anzutasten, hat Farthofer schon vor fünf Jahren in der Bodenbearbeitung dem üblichen Pflug, der sich bis zu 25 cm tief in die Erde eingräbt, eine Absage erteilt. Er entwickelte einen sogenannten „Schälpflug“, der nur sehr seicht ackert. Unkraut wird auf diese Art entwurzelt, der Winterfrost kann eindringen, um eine Überpopulation von Schädlingen zu vermeiden, die tieferen, feuchten Schichten des Bodens aber werden nicht aufgerissen. So wird Humus aufgebaut, die Verdunstung aber hintangehalten.

Biologisch?

Farthofer arbeitete von Anfang an biologisch. War es zunächst in erster Linie der Wunsch, gesunde Nahrungsmittel herzustellen und die Umwelt nicht zu belasten, zeigen sich mittlerweile auch die ökonomischen Vorteile.

Es wird Humus aufgebaut, der gerade in Zeiten der zunehmenden Trockenheit das Schlüsselelement für eine ertragreiche Ernte ist.

Der Verzicht auf Pestizide, Herbizide und Insektizide ist auch ein wirtschaftlicher Vorteil.

Bei der Getreideernte 2019 waren die unterschiedlichen Erträge offensichtlich:

Beim Bio-Roggen lag der Ertrag bei 2.500 bis 3.000 kg pro Hektar, wohingegen bei konventioneller Bewirtschaftung mehr als 6.000 kg / ha erzielt werden.

Beim Weizen ist der Unterschied noch eklatanter. Im konventionellen Anbau werden rund 10.000 kg pro Hektar erwirtschaftet. Bei den Farthofers lag er Ertrag von Bio-Weizen bei 2.500 kg pro Hektar.

Die alten Getreidesorten bringen zwar weniger Ertrag als Neuzüchtungen, sind jedoch besser in der Beikrautunterdrückung, sodass ein geringerer Maschineneinsatz notwendig ist, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Boden schont.