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Ein kleines Weinbaugebiet zeigt auf

Alle Blicke auf Carnuntum

27.07.2021

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Rubin Carnuntum Winzer © Steve Haider
Die Carnuntiner WinzerInnen stecken ihre Köpfe zusammen und setzen die Ideen gemeinsam um. © Steve Haider

Das schlug wie eine Bombe ein: Die wichtigste Weinmesse Mitteleuropas, die ProWein in Düsseldorf, wurde im März 2020 kurzerhand abgesagt. Was folgte, war eine Schreckstarre. Es gab kein Treffen und keine Verkaufsmeetings mit den HändlerInnen aus aller Welt, keinen Launch der neuen Weine, keine Anbahnung neuer Geschäftsverbindungen. Zunächst freuten sich die WinzerInnen insgeheim: eine geschenkte Woche, weniger Reisen, weniger Stress, Zeit für Wichtiges.

Gleichzeitig schloss aber auch die österreichische und internationale Gastronomie und Hotellerie. Wer den Hauptabsatz im HORECA-Bereich hatte, begann zu ahnen, dass es ein schwieriges Jahr werden würde. Wer vom persönlichen Ab-Hof-Verkauf lebte, ebenfalls. Bereits bestehende Online-Shops waren die GewinnerInnen, denn die KonsumentInnen wollten nicht auf den Weingenuss verzichten. Im Gegenteil. Auch jene ProduzentInnen, die bereits ein bestehendes Geschäftsverhältnis mit dem Lebensmittelhandel hatten, wurden belohnt.

Wer zusätzlich auch noch Gästezimmer oder einen Heurigenbetrieb führte, hatte natürlich auch noch weitere Vertriebsmöglichkeiten, besonders in den Monaten nach dem harten Lockdown. Ob eine solide Steigerung des Ab-Hof sowie Online-Absatzes von 10 % oder eine Verdoppelung des Absatzes von 2019 auf 2020, es war demnach alles mit dabei – jedenfalls hervorragende Werte, wenn man bedenkt, dass der Ab-Hof-Verkauf in den letzten Jahren stetig Einbußen verzeichnen musste.

Der Exportmarkt ist anfangs natürlich gleichermaßen eingebrochen wie auch der inländische Markt. Innerhalb Österreichs war vor allem der Umsatz mit dem Westen betroffen, wo den Skigebieten die Riegel vorgeschoben wurden. Einige Weingüter konnten aber während der Pandemie auch neue Märkte für sich erschließen bzw. bestehende weiter ausbauen, denn Online-Tastings ermöglichten den WinzerInnen eine neue Bühne. USA, Asien, England, Polen, Russland und auch die skandinavischen Länder haben Carnuntum die Türen weiter geöffnet.

Virtual Wine Afterwork Höfleiner Winzer Carnuntum
#virtualwineafterwork der Höfleiner WinzerInnen
Weingut Franz und Christine Netzl
Weinplauderei mit Weingut Franz & Christine Netzl
Die sechs Blaufränkisch Ried Spitzerberg 2017 von den Weingütern Christian Dietrich, Martin Netzl, Horst Pelzmann, Michaela Riedmüller, Robert Payr und Dorli Muhr sind jetzt zusammen in einer Kiste erhältlich ©
Spitzerberg-Challenge
Jungheimschnupperbox Göttlesbrunn_2021
Jung(Heim)Schnuppern Box der Göttlesbrunner WinzerInnen

Die Weingüter in Carnuntum reagierten rasch und und gingen online: Das #virtualwineafterwork der WinzerInnen aus Höflein hat KundInnen von Indien bis ins Zillertal erreicht. Am Weingut von Franz & Christine Netzl konnte man sich online zur Weinplauderei treffen. Von den aktuellen Arbeiten im Weingarten bis hin zu Weinempfehlungen reichten die Themen, über die sich die KundInnen mit Franz und Christina unterhielten. Besonders gelungen waren auch die virtuellen Weingarten-Touren in den Erste Lagen (1ÖTW).

Das traditionelle Jung(Wein)Schnuppern, das üblicherweise im Frühling stattfindet, wurde zum Jung(Heim)Schnuppern.

Wer dachte, im Herbst sei alles vorüber, der irrte gewaltig. Sogar der über die Grenzen hinaus bekannte Leopoldigang der Göttlesbrunner WinzerInnen konnte nicht stattfinden. An dessen Stelle wurden hunderte Verkostungsboxen mit jeweils rund 25 Kleinflaschen verschickt. Viele NeukundInnen konnte übrigens dadurch gewonnen werden, dass die Initiativen über die gemeinsamen Social Media-Kanäle der Rubin Carnuntum Weingüter promotet wurden.

Die Spitzerberg-WinzerInnen wiederum führten unter dem Titel “Spitzerberg-Challenge” eine aufsehenerregende online-Blindverkostung ihrer hochbewerteten 2017er Weine durch. Knapp 100 ExpertInnen – Sommeliers und WeinakademikerInnen – aus dem gesamten deutschen Sprachraum nützten die Chance, die Einzellage einen Abend lang unter die Lupe zu nehmen.

Die CarnuntinerInnen haben die Krise genützt, um das Gebiet inhaltlich zu profilieren und die Wertigkeit zu steigern. Die DAC-Verordnung, die gerade erst 2019 implementiert worden war, wurde zum Thema und Aufhänger sämtlicher Aktivitäten. Das Appellations-Thema eignete sich besonders gut um Sommeliers, die während der Lockdowns die Zeit für Weiterbildungen nutzten, die Herkunft näher zu bringen. Ein Meilenstein war etwa die Online-Degustation für die 20 führenden Sommeliers der DACH-Region mit 17 Weinen und 17 WinzerInnen aus Carnuntum. Ein genialer strategischer Streich, der analog sicherlich kaum zustande gekommen wäre.

Übrigens: Viele der Weingüter füllten in den letzten Wochen erstmals “Ortsweine” – eine spannende Herausforderung und ein Neubeginn im Sinne der Herkunftspyramide.

Carnuntum Pyramide © Patrick Band
Carnuntum DAC - raus aus den Kinderschuhen, jetzt ist es ernst!
Korken Rubin Carnuntum © Steve Haider
Die Visitenkarte aus Carnuntum: Zweigelt © Steve Haider

Auch das Thema Zweigelt wurde ebenso erneut ins Rampenlicht gerückt. Gerade diese Weinbauregion ganz im Osten von Niederösterreich, profitiert von dem kontinentalen Klima – starkes Tag-Nacht-Gefälle, kräftige Winde, Trockenheit und eine Bodenvielfalt, die mit diesen klimatischen Bedingungen hervorragend zu Recht kommt. Der Zweigelt kann sich so von einer sehr eleganten Seite zeigen. Ob der seit 1992 bestehende Rubin Carnuntum, die Visitenkarte der Region (Gebietswein) oder doch ein Einzellagenwein, Zweigelt zeigt Lagerpotenzial, Ernsthaftigkeit und Trinkfreudigkeit. Dies wurde auch in den beiden hochkarätig besetzten online Tastings bestätigt. JournalistInnen aus der DACH-Region sowie Dänemark, Finnland, Belgien, Niederlande, Polen, Tschechien und UK waren mit Begeisterung für die Rebsorte und die kühle Stilistik mit dabei. Auch in einer exklusiv auserwählten Sommelier-Runde wurde Zweigelt online verkostet. Das Fazit: Zweigelt durch seine Frucht und Frische eignet sich hervorragend als Speisenbegleiter, vor allem in der gehobenen Küche.

Ein Jahr später, März 2021. Es gibt wieder keine ProWein….

Diesmal aber kam es nicht zur Schreckstarre, sondern die CarnuntinerInnen hatten bereits ein geniales Konzept, um die Weinmesse zu ersetzen, in der Schublade. Unter dem Titel “Explore Carnuntum” wurde die erste Online-Weinfachmesse eines österreichischen Weinbaugebiets ins Leben gerufen. Die Bewunderung und Unterstützung durch die Wirtschaftskammer und Österreich Wein Marketing war den CarnuntinerInnen sicher. Es war ein überzeugendes Vorhaben: Jede WinzerIn versendete ein kleines kuratiertes Sortiment, bis zu 20 Personen konnten an einem Slot teilnehmen. Rasch waren die Plätze gefüllt, als klar war, dass sowohl die ProWein in Düsseldorf als auch die VieVinum in Wien 2021 nicht stattfinden würden. Die Händler und Importeure melden sich zu den Online-Slots der Weingüter an. Großen Erfolg erzielten auch die “Discovery Slots”, die zu den Themen “Carnuntum DAC Weiß”, “Ortsweine” sowie “Zweigelt” besonderes Augenmerk auf aktuelle Inhalte der Region gelegt haben.

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Die erste Online-Weinfachmesse eines Weinbaugebiets Österreichs im Frühjahr 2021! © cmvisuals
Webshop Carnuntum © Robert Herbst
Webshop und Social Media - unerlässlich in Zeiten wie diesen! © Robert Herbst

Die Grundlage für diese Online-Weinfachmesse musste jedoch schon vorab gelegt werden – der Online-Auftritt der WinzerInnen. Wer bis zum Frühjahr 2020 noch keine Website mit Online-Shop hatte, musste rasch aufrüsten. Newsletter und Social Media waren nun eine der wichtigsten Maßnahmen, um online wahrgenommen zu werden. “Carnuntum Wein” präsentiert sich seit 2020 im neuen Kleid – ob via Facebook oder Instagram.

Freilich, den verlorenen Absatz in den heimischen und internationalen Restaurants können diese Aktivitäten nicht wettmachen. Aber es waren sehr effiziente Initiativen, um den unmittelbaren Kontakt mit FachkundInnen und privaten WeinliebhaberInnen zu halten. Während dieser Pandemie, so sagen uns die Psychologen, ist der Weinkauf nämlich etwas ganz Besonderes, mit einem “höheren Wert” als in normalen Zeiten.

Und es war eine wichtige Investition in die Zukunft, um Herkunftsweine der drei Kategorien (Gebietswein, Ortswein, Einzellage) nachhaltig zu positionieren. Carnuntum hat vor allem mit Online-Veranstaltungen für Endverbraucher als auch mit der Online-Messe „Explore Carnuntum“ ein starkes Gemeinschaftsgefühl ausgestrahlt.

Exkurs:
Der Weinkonsum in Österreich in 2019 beläuft sich auf 238 Mio Liter. Knapp 60 % entfielen dabei auf die Gastronomie. Etwas mehr als ein Drittel auf den Heimkonsum, davon wurden 80 % im LEH gekauft, nur 5 % von Touristen, die übrigen 15 % bezogen sich auf den Fachhandel. Im Heimkonsum wurden insbesondere österreichische Weine getrunken.

Der Absatz im Heimkonsum hat im Jahr 2020 um fast 1/5 zugelegt. Dabei stieg der österreichische Wein sogar überproportional. Jeder zweite konsumierte Wein ist Wein aus Österreich. Das ist der höchste Wert seit 1997. Im LEH hat der österreichische Wein sogar einen Marktanteil von 75 %. Im Jahr 2020 wurden im Vergleich zu 2019 1/3 weniger Wein in der Gastronomie konsumiert. Eine verheerende Zahl! Dafür stieg der online Weinhandel um 50 %.

Quellen:
ÖWM Jahresbericht 2020
Export Rekord trotz Corona 2020
Bilanz Weinmarkt Österreich 2020

 

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