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Status quo im Weingut Blankenhorn

Neuanfang mit alten Wurzeln

31.01.2019

Weinberge, Weinkarte, Weinstilistik und nicht zuletzt die Weingutsmauern selbst. Im Weingut Blankenhorn bleibt seit vier Jahren fast kein Stein mehr auf dem anderen. Das VDP-Weingut im Markgräflerland, das vom jungen Paar Yvonne Keßler und Martin Männer neu geführt wird, wurde in den letzten Jahren von Grund auf saniert – ohne dabei die Wurzeln des historischen Weinguts zu kappen. Es tut sich so viel, dass man leicht den Überblick verliert. Daher hier ein kurzes Zwischenfazit, wie sich das Weingut verändert hat!

Hier entsteht die neue Vinothek des Weinguts. Bei den Umbauarbeiten wurde ein alter Turm aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. ©Weingut Blankenhorn

Wer steht jetzt hinter dem Weingut?

Durch den Ruhestand von Roy Blankenhorn waren der Nachfolgerplatz leer und die Fußstapfen groß. Mit Yvonne Keßler und Martin Männer hat das Weingut zwei höchst enthusiastische Weinmenschen gefunden, die das 1847 gegründete Weingut weiterführen und mit viel Leidenschaft und einer Portion Verrücktheit visionär weiterentwickeln wollen. Yvonne Keßler ist als studierte Önologin für den An- und Ausbau der Weine zuständig und erhält seit Mitte 2018 besonders in der Weißweinbereitung Unterstützung von Markus Weickert (ehemals Weingut Gunderloch, Nackenheim). Den neuen Weinstil trägt der gebürtige Kaiserstühler Martin Männer, den das Terroir im Markgräflerland mehr fasziniert, dann in die Welt. Er ist – neben der Leitung der umfangreichen Bauarbeiten auf dem Gutshof – zuständig für Vertrieb und Marketing. Mit einem jungen und engagierten Team bringen sie frischen Wind in die historischen Kellermauern.

Wie schaut das zukünftige Weingut Blankenhorn aus?

Wer aktuell in den beschaulichen Ort Schliengen fährt, den erwartet in unmittelbarer Nähe des Schlosses eine große Baugrube, rundherum die Mauern eines alten Gutshauses und eine Halle im Rohbau. Nur das alte Vinotheksgebäude, unter dem sich der Weinkeller verbirgt, hält die Stellung. Das historische Weingut wird mit den umfassenden Umbauarbeiten für die Ansprüche des qualitätsorientierten Weinbaus der Zukunft fit gemacht. Besonders für den Holzausbau wird es im eigenen Barriquekeller zukünftig deutlich mehr Raum geben. Zusätzlich entsteht in der Mitte des Weinguts ein Ort der Begegnungen für Veranstaltungen und Events. Mit viel Feingefühl werden dabei historische Gemäuer erhalten, in dem sie aufwendig kernsaniert werden und ihnen zu neuem Glanz verholfen wird. Bis zur Neueröffnung im Sommer 2020 müssen sich die Bauherren aber noch auf die ein oder andere Überraschung einstellen. Das Treppenhaus im Gutshaus entpuppte sich beispielsweise als Turm von 1647, und das neue Jahr wurde auf dem Weingut mit einem großen Balken mitten in der Windschutzscheibe des Weinbergsauto begrüßt.

Weingut Blankenhorn Martin Männer und Yvonne Kessler © Weingut Blankenhorn
Martin Männer und Yvonne Kessler bringen mit viel Leidenschaft das Weingut zu altem Glanz zurück. ©Weingut Blankenhorn
Weingut Blankenhorn Markus Weikert © Weingut Blankenhorn
Markus Weickert hat ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl für Burgundersorten. ©Weingut Blankenhorn

Was tun, wenn in den besten Weinbergen die Rebsorte Freisamer steht?

Bei der Betriebsübernahme waren neben Rebsorten wie Kerner, Müller und Gewürztraminer auch richtige Exoten wie Freisamer in den Weinbergen angepflanzt. Was also tun mit den Altlasten? Yvonne Keßler und Martin Männer haben sich für die Methode des Umpfropfens entschieden. Dabei wurden beispielsweise in der Lage „Sonnenstück“ neue Pinot-Klone aus Burgund in die bestehenden Reben veredelt und somit die Rebsortenstruktur ohne jahrelange Ernteausfälle schnell, schonend aber auch konsequent verändert. Im Zeichen der Biodiversität wurden zudem vermehrt Spitzzeilen gerodet und Blühstreifen angepflanzt und damit die Umstellung auf nachhaltigen und ökologischen Anbau vorbereitet.

Wie haben sich die Weine verändert?

Die Weinwelt hat sich in den letzten Jahren weitergedreht. Nicht Vielfalt sondern Fokus ist wichtig, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Das Weingut Blankenhorn wird zukunftsfit gemacht, indem das Sortiment drastisch gekürzt und ein klares Profil geschaffen wird. Dabei haben Yvonne Keßler und Martin Männer das Rad nicht neu erfunden, sondern in penibler Feinarbeit die Wurzeln und Stärken des Weinguts und die geologischen Besonderheiten des Markgräflerlands heraus gearbeitet. Die Einflüsse aus den benachbarten Ländern Schweiz und Frankreich werden dabei nicht verheimlicht. Der neue Fokus im Weingut liegt auf den Rebsorten Spätburgunder und Chardonnay sowie auf dem schonenden und langen Ausbau in kleinen und großen Holzfässern. Der Klassiker im Markgräflerland, der Gutedel, wurde auf ein hohes Niveau gerückt. Alle Weine werden zudem ausschließlich trocken ausgebaut. Die lange Sekttradition im Hause Blankenhorn – seit es Winzersekte in Deutschland gibt, vinifiziert das Gut Schaumweine – wird ebenfalls weitergeführt.

Was passiert in 2019?

Auch wenn die Umbauarbeiten erst nächstes Jahr abgeschlossen sein werden und man sich mit der großen Eröffnungsfeier noch bis ins Frühjahr 2020 gedulden muss: Das Jahr 2019 wird spannend in Schliengen. Der erste eigene Sekt aus dem Traditionshaus wird mit ebenso großer Spannung erwartet, wie die ersten Weißweine unter der Führung des Terroir-Spezialisten Markus Weickert. Und gleich im Frühjahr wartet das junge Weingut mit einer außergewöhnlichen Rebpflanzung auf: Ein Pinotweinberg im steilsten Stück der historischen Gewann-Lage „Himmelberg“ wird nach burgundischem Vorbild neu gepflanzt. Die Reben dafür wurden nach der Massale Methode selektioniert. Es bleibt also spannend!

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