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Blankenhorn setzt Gutedel in Szene

Schlummernde Unbekannte

26.07.2018

Gutedel aus Baden hat ungefähr einen so guten Ruf wie Tomaten aus Holland. Für so manchen Weinliebhaber ist es aber eine geradezu ehrgeizige Aufgabe, die spannenden Weine im Meer der langweiligen zu finden. Sie werden nun fündig, denn Gutedel bekommt einen neuen Leuchtturm: Das Weingut Blankenhorn aus Schliengen – noch recht jung unter der Führung von Martin Männer und Yvonne Kessler –  zeigt beeindruckende Varianten der oft geschmähten Rebsorte.

Weingut Blankenhorn Weinberge Schliengen © Weingut Blankenhorn
Seit der Römerzeit ist das Markgräflerland als Weinregion bekannt. © Weingut Blankenhorn

Mut, Leidenschaft und ein gerüttelt Maß an Verrücktheit
Wenn ein junges Quereinsteigerpaar wagt, ein mehr als 250 Jahre lang etabliertes Traditionsweingut zu übernehmen, dann müssen viel Mut, Leidenschaft und ordentlich Verrücktheit im Spiel sein. All das brachten Yvonne Kessler und Martin Männer im großen Maße mit, als sie sich entschlossen haben, das Weingut Blankenhorn zu erwerben. Seit Mitte 2014 führen sie nun das traditionsreiche Weingut im Dreiländerdreieck Deutschland-Frankreich-Schweiz. In den vier Jahren seither haben sie bereits jede Menge renoviert, umgebaut, verändert und die Stellschrauben weiter in Richtung Erfolg gedreht. Neben dem Spätburgunder haben sie den Gutedel – typisch für das Markgräflerland – in den Fokus gesetzt. Ihn wollen sie auf ein hohes Niveau rücken und auch zeigen, welches Potential in der Rebsorte steckt.

Begonnen hat die Gutedel-Leidenschaft des Paares dabei gar nicht in Baden sondern bei einem Abendessen in der Schweiz. Ein Dinner begleitet von gereiften Chasselas-Weinen, wie die Rebsorte in der Schweiz genannt wird, hat sie überrascht und ihren Ehrgeiz geweckt. „Wir hatten vor, die Sorte aus unseren Weinbergen zu verbannen. Aber dieser Abend hat uns umgestimmt“, lächelt Martin Männer. Die Weinberge wurden im Ertrag bewusst reduziert und sorgfältig behandelt, sodass terroirbetonte Trauben wachsen konnten.

So entstanden sind drei Weine, die – jeder für sich – eine beeindruckende Gutedel-Geschichte erzählen:

  • 2017 Blankenhorn Gutedel, VDP.GUTSWEIN Gutedel auf den Punkt gebracht! Feine, klare Frucht nach Pfirsich und Apfel, ruhig und cremig weich mit einer feinen Süße bringt der Gutedel Gutswein mit leisen Tönen aber langem Nachhall die typischen Gutedel-Eigenschaften zum Leuchten.
  • 2016 Chasselas LE CLOCHER, VDP.ORTSWEIN Reif und voll, aber gleichzeitig schlank und prickelnd – das muss kein Widerspruch sein. Der Gutedel wuchs auf einem Plateau direkt hinter der Kirche der Gemeinde Schliengen, deren Turm als Namensgeber für den Gutedel nach schweizer Vorbild dient. Ausgebaut im großen Holzfass präsentiert sich der Wein in der Nase mit voller und reifer Frucht, tänzelt dann aber leichtfüßig über den Gaumen und ist im Abgang weich wie Seide.
  • 2016 Chasselas COURAGE, VDP.ORTSWEIN Gleiche Trauben, anderes Fass. Die Weinberge trennt nur ein Feldweg, aber die Trauben des COURAGE hat Oenologin Yvonne Kessler im Halbstückfass ausgebaut. Der Mut (frz. courage) hat sich gelohnt, denn im Glas entfaltet der Chasselas seine feine den Gaumen umschmeichelnde Frucht. Dieser Wein, der gerade erst in den Verkauf gekommen ist, hat großes Lagerpotential, zeigt sich aber auch schon jetzt ganz elegant und präzise.
Weingut Blankenhorn Gutshof © Weingut Blankenhorn
Die Ruhe täuscht: Im beschaulichen Weinörtchen Schliengen tut sich einiges. Ein Blick hinter die Weingutstore des Weingut Blankenhorns lohnt sich.

Eine lange Geschichte
Die Rebsorte Gutedel ist eine der ältesten, wenn nicht die älteste Kulturrebsorte der Welt. Daher überrascht es nicht, dass die eigentliche Herkunft ungeklärt ist. Es wird vermutet, dass sie schon vor 5.000 Jahren in Ägypten angebaut wurde und dann mit den Römern nach Europa kam. Andere verweisen auf ihren Ursprung in Palästina, im Nahen Osten oder in Frankreich und Spanien. Die Schweizer Weinfachwelt glaubt ihren Usprung gar in der Westschweiz, wo „Fendant“ bereits lange vor dem 16. Jahrhundert in klöstlerlichen Urkunden zu finden ist.

Da die gleiche Rebsorte über so viele Länder verbreitet angebaut wird, trägt sie auch unterschiedliche Namen. Der herkömmlichste ist der französische Name Chasselas. Ein weiteres Synonyme für diese Rebe ist unter anderem Fendant in Teilen der Schweiz und eben der in Deutschland gebräuchliche Name Gutedel.

Die Traube ist süß und saftig und aufgrund ihrer festen, dünnen Haut auch eine beliebte Tafeltraube. Sie ist relativ säurearm und liefert daher einen angenehmen Trinkwein, der trotzdem deutlich sein Terroir wiederspiegelt. Um anspruchsvolle Qualitäten zu erzielen, benötigt die Reben einen möglichst nahrhaften Boden sowie viel Sonnenlicht. War Gutedel früher in Deutschland weit verbreitet, findet man sie gerade deshalb heute fast nur noch im wärmsten der deutschen Anbaugebiete, im Markräflerland in Baden.

Seit 2014 werden die historischen Gebäude des rennomierten Weinguts liebevoll und mit viel Engagement grundsaniert. © Weingut Blankenhorn
Weingut Blankenhorn Martin Männer und Yvonne Kessler © Weingut Blankenhorn
Martin Männer und Yvonne Kessler führen das Weingut Blankenhorn in eine neue Ära. © Weingut Blankenhorn
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